Über mich

Hier nun also etwas über mich. Geboren wurde ich am 04. Januar 1977 und so wie mir meine Mutter erzählte, war ich ein Unfall. Wenn also schon meine Entstehung auf einem Unfall beruht, wie könnte mich da der weitere Verlauf meines Lebens verwundern? Meine Eltern waren der Meinung das sie mit zwei Kindern ihre Schuldigkeit getan hätten und erklärten ihre Familienplanung für beendet und da ihre beiden Kinder schon in die Schule gingen, sahen sie freudig in die Zukunft. Aber wie heißt es so schön „Wie bringt man den lieben Gott zum Lachen?..... man macht Zukunftspläne. Ich schlüpfte also kurz vor Ladenschluss noch auf diese Welt. Auch wenn ich meine Kindheit in der DDR verbrachte, war sie doch schön. Die Ansprüche an das Leben kamen ja erst später und da hatte sich das Problem DDR zum Glück schon erledigt. Damals fuhren wir jeden Sommer an die Ostsee zum Zelten. Als Kind gibt es doch nichts schöneres. Sonne, Strand, das Meer und oben auf der Düne im Zelt schlafen. Ich war immer gerne draußen. Entweder spielte ich mit meinen Freunden Fußball, fuhr Fahrrad oder ich ging mit meinem Freund Oliver in den Wald. Dann kletterten wir auf Bäume, krochen in Höhlen oder suchten Versteinerungen im Kalkstein. Langeweile kam eigentlich nie auf. Von der ersten bis zur neunten Klasse, war ich im Geräteturnen. Den Sport hab ich wirklich sehr geliebt und ab und an war ich auch erfolgreich und gewann Medaillien. Dann hörte leider der Trainer auf. Zwei Jahre später, kurz vor meinem Unfall, durfte ich noch einmal für meine Schule bei einem Wettkampf gegen andere Schulen aus dem Kreis antreten und gewann.

Tja und dann kam der Unfall und sollten meine Eltern zu diesem Zeitpunkt wieder Zukunftspläne gehabt haben, hab ich ihnen diese nun endgültig zerstört. Wir wohnten zu der Zeit noch in einem Wohnblock und meine Eltern beschlossen sofort, dass ich in kein Pflegeheim komme, sondern sie ein Haus bauen und mich pflegen werden. Dafür bin ich ihnen wirklich ewig dankbar. Die ersten Jahre waren schon sehr schwer, da ich ja ein sportbegeisterter Mensch war und noch immer bin. Durch den hohen Querschnitt ist aber aktiver Sport nicht mehr möglich. Ich weiß nicht, ob man in jungen Jahren so einen Einschnitt im Leben besser verkraftet, wie im reifen Alter. Aber ich kann von mir behaupten, dass ich nun nach 14 Jahren im Rollstuhl gut mit der Situation klar komme. Wenn so etwas passiert, hast du nur 2 Möglichkeiten. Entweder du gibst auf und wählst den Tod oder du aktzeptierst es und lebst. Ja ich wollte oft aufgeben. Denn die Erkenntniss, dass dein eignener Körper sich in ein Gefängniss verwandelt hat und du lebenslänglich bekommen hast, nimmt dir jeden Lebensmut .... nein nicht den Mut ... sie nimmt dir die Lust am Leben.

Doch nach Jahren des Trübsals und negativen Gedanken, passierte was in mir. Bis zum Frühjahr 2000 hatte ich mich vor der Außenwelt versteckt und in mein Zimmer verkrochen. Doch dann wollte ich raus, wieder unter Menschen. Jeden Tag traute ich mich weiter von unserem Grundstück weg und es dauerte nicht lange, bis ich Beatrix traf.

Unser Kennenlernen würde jetzt hier zu weit führen aber wir stellten sehr schnell fest, dass wir total verschieden sind aber nie wieder ohne den anderen leben möchten. Bevor ich sie traf, hatte ich das Gefühl hinter einer Glasscheibe zu sitzen und nur noch Zuschauer des Lebens zu sein. Doch dann kam sie wie ein Bulldozer in mein Leben und riss jede Wand nieder die ich um mich hatte und zog mich wieder in das Leben. Ich kann heute also von mir sagen, dass ich wieder neugierig auf dieses Leben bin und nicht den Tod suche. Auf dieser Welt zu sein und sie zu erleben ist ein wahres Geschenk Gottes und ich werde es nicht wegschmeißen. Ich will wieder Leben....jetzt erst recht.

Es gibt aber noch einen Grund warum ich heute so positiv in die Zukunft schaue. Das ist unsere 3 jährige Tochter. Sie ist wohl das größte Glück in meinem Leben. Auch für Sie möchte ich diesen Traum wahrmachen. Sie soll nicht nur einen hilflosen Papa haben. Ich möchte mit ihr verreisen, ihr die schönen Dinge zeigen oder einfach mal den Zoo besuchen. All das was jeder Vater gerne mit seinem Kind macht. Ich möchte, dass sie stolz auf mich ist und sieht dass ich nicht aufgebe.

Es mag komisch klingen aber aus heutiger Sicht würde ich sogar sagen, dass der Unfall gut für mein Leben war. Klar, ich würde nur zu gerne wieder aus diesem Rollstuhl aufstehen und mein Leben in die eigenen Hände nehmen. Aber diese Erfahrung und wie sie mein Denken und Handeln beeinflusst hat, möchte ich nie wieder missen. Man sagt ja....je heller das Licht, desto größer ist der Schatten, den es wirft. Heute weiß ich, dass dieser Satz auch anders herum funktioniert.